Die Anschaffung einer Photovoltaikanlage ist sinnvoller denn je. Dies umso mehr dann, wenn der eigens erzeugte Strom möglichst selbst genutzt wird.

Nicht umsonst möchte die EU Eigenverbraucher – sogenannte Prosumenten – als „Treiber der Energiewende“ in den Vordergrund stellen. Sie tragen durch den Direktverbrauch ihres selbst erzeugten Stromes nicht nur zur Entlastung der Stromnetze und zum Umweltschutz bei, sondern legen mit ihrem Modell auch noch ihr Geld sinnvoll an.

Dass eine Photovoltaikanlage mit hohem Eigenverbrauch besonders rentabel ist, wird durch einen Vergleich des Strompreises mit den sogenannten Stromgestehungskosten deutlich. Letztere geben an, wie viel Geld der Anlagenbetreiber unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Stromerzeugungskosten pro Kilowattstunde Strom aufwenden muss.

In diese Stromgestehungskosten fließen vor allem auch Anschaffungs- und Betriebskosten der PV-Anlage, Standortbedingungen wie die Sonneneinstrahlung, die Lebensdauer der Anlage sowie die Finanzierungsbedingungen ein.

Nicht quantifizieren lässt sich dagegen der ebenfalls sehr wichtige Beitrag zum Umweltschutz. Nebenbei ist hier aber die sogenannte energetische Amortisation einer PV-Anlage erwähnenswert. Sie stellt die Zeitspanne dar, bis mehr Energie produziert als bei der Herstellung der Anlagenkomponenten verbraucht wurde. Sie ist vom Typ der Module und dem Anlagenstandort abhängig, beträgt aber in Deutschland in der Regel unter 5 Jahren.

Was aber nun die finanziell relevanten Stromgestehungskosten betrifft, betragen diese z. B. für kleinere PV-Anlagen in Süddeutschland zwischen 7,23 und 8,43 Cent/kWh  und in Norddeutschland zwischen 9,89 und 11,54 Cent/kWh. Größere Dachanlagen  bis  1.000  kWp  können  heute  in  Süddeutschland  Strom sogar schon für 4,95 bis 6,18  Cent/kWh  produzieren und Freiflächenanlagen  erreichen dort sogar Werte zwischen 3,71 und 4,95 Cent/kWh.

Betrachtet man, dass auf der anderen Seite der Strom vom Stromanbieter im Schnitt etwa 30 Cent/kWh kostet, wird schnell deutlich, wie viel Geld eingespart wird, wenn der eigene Strom nicht von einem externen Stromanbieter bezogen werden muss. Deutschland hat schon seit längerem europaweit die zweithöchsten Strompreise, einzig überboten von Dänemark.

Dazu kommt, dass die Stromerzeugung durch mehr technischen Fortschritt und Wettbewerb mit Sicherheit noch günstiger werden wird. Demgegenüber befinden sich die Preise für den Bezug aus der Stromleitung im Aufwärtstrend, was in erster Linie dem teuren Ausstieg aus umweltbelastenden Energieträgern wie Atomenergie und Kohle geschuldet ist, aber auch der fehlenden Weitergabe von Kostensenkungen durch Stromanbieter an die Verbraucher.

Ebenso verhält es sich im Hinblick auf die EEG-Vergütungssätze. Solaranlagen erhalten 20 Jahre lang eine gleich hohe Einspeisevergütung, je nach dem, in welchem Monat die Anlage angemeldet wird. Je später die Anmeldung, umso geringer ist die Vergütung, wie diese Tabelle zeigt:

Entwicklung EEG-Vergütung


Je später also die Anlage angemeldet wird, umso lohnenswerter ist der Eigenverbrauch.

Die Anschaffung einer Photovoltaikanlage lohnt sich somit in jeglicher Hinsicht. Einmal installiert, läuft sie normalerweise länger als 25 Jahre und amortisiert sich finanziell bereits nach 7 bis 13 Jahren. Dank des technologischen Fortschritts sind die Kosten für Photovoltaikmodule seit 2006 um etwa 75 % gesunken. Dies wirkts sich natürlich auf die Stromgestehungskosten aus.

Mit der Installation eines Batteriespeichers kann der Eigenverbrauch erhöht werden. Ein solcher konserviert die Energie aus der Sonneneinstrahlung in den Mittagsstunden, wenn zu dieser Zeit nicht die gesamte Energie benötigt wird. Morgens und abends wird nämlich aufgrund der niedrigeren Sonneneinstrahlung weniger Energie erzeugt als verbraucht wird.

Die Zeiten der Energieerzeugung durch eine PV-Anlage passen gut zu den Bedürfnissen von Unternehmen, da sie oft deckungsgleich sind. Aber auch Privatpersonen können ihren Eigenverbrauch steigern, etwa indem Geräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler, die eine Zeitschaltuhr haben, möglichst in der Mittagszeit betrieben werden. Wie gezeigt, lohnt sich das.

Quellen:

https://www.pvp4grid.eu/wp-content/uploads/2020/04/D4.3-National-Policy-Paper-Germany.pdf

https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2018_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf

https://www.stromauskunft.de/stromanbieter-wechsel/stromanbieter-wechsel-faq/warum-steigen-strompreise/

https://www.windkraft-journal.de/2020/04/06/weiterhin-gute-rendite-bei-photovoltaikanlagen-einspeiseverguetung-und-eigenverbrauch-von-solarstrom/147009

https://www.solaranlagen-portal.com/photovoltaik/wirtschaftlichkeit/amortisation

https://photovoltaiksolarstrom.com/photovoltaiklexikon/amortisation-photovoltaik/

Die Solarbranche hat auf dem langen Weg zur Abschaffung des Förderdeckels für Photovoltaik einen Etappensieg erzielt. Die letzten Schritte stehen aber noch aus.

Erst am gestrigen Montag, dem 18.05.2020, haben sich Union und SPD im Streit um die Abstandsregeln für Windkrafträder geeinigt. Damit gibt es jetzt keinen Grund für die Große Koalition mehr die Abschaffung des 52-GW-Deckels noch weiter aufzuschieben. Letzte Woche hatten nicht nur die Umweltministerkonferenz, sondern sogar die Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich die schnellstmögliche Abschaffung des Solardeckels gefordert.

Bereits in unseren Artikeln 52 GW Deckel – Abschaffung dringend notwendig, Neuberechnung der Bundesnetzagentur lässt mehr Luft zum 52-Gigawatt-Deckel und Solardeckel – Bundesregierung verkennt den Ernst der Lage und ignoriert den Wählerwillen haben wir auf die Dringlichkeit der Problematik aufmerksam gemacht. Auch jetzt darf der Druck der Solarbranche nicht abnehmen, weil vor der parlamentarischen Sommerpause nur noch drei Sitzungswochen des Bundestages für die Abschaffung verfügbar sind.

Sicher ist die Abschaffung erst, wenn sie im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird, also frühestens nach der nächsten Sitzung des Bundesrats am 5. Juni, womöglich aber auch erst in der letzten Sitzung der Länderkammer vor der Sommerpause am 3. Juli. Mit einem Erreichen einer Gesamtleistung aller Photovoltaik-Anlagen in Deutschland von insgesamt 52 GW wird schon im Juli 2020 gerechnet. Daher ist die rechtzeitige Abschaffung des Förderstopps nur noch im parlamentarischen Eilverfahren erreichbar.

Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW) hält es leider durchaus für möglich, dass es auf den letzten Metern aber noch zu „Störfeuern“ kommen könnte. Wir hoffen, dass diese Befürchtung nicht zutreffen wird, damit die Unternehmen der Solarbranche und zugleich die Erreichung der deutschen Klimaziele nicht gefährdet werden. Denn dem BSW zufolge sind wegen des Photovoltaik-Deckels bereits jetzt Solarprojekte im Wert von ca. 100 Mio. Euro geplatzt bzw. vorerst auf Eis gelegt worden.

Trotz des dringenden Wunsches von Bürgern und Wirtschaft geht der Solarpoker der Union im Bundestag in eine weitere Runde.

Die Dringlichkeit der Abschaffung des 52-GW-Deckels haben wir bereits in unserem Artikel Neuberechnung der Bundesnetzagentur lässt mehr Luft zum 52-Gigawatt-Deckel erläutert. Obwohl sogar laut aktueller YouGov-Umfrage über 82 % der Wähler von Union und SPD die Abschaffung des Deckels befürworten und auch Wirtschaft und Verbände die Abschaffung vermehrt fordern, verknüpft die Union die Abschaffung des Solardeckels weiterhin mit der Debatte über geeignete Windkraft-Standorte in Deutschland. Erst nach einer Einigung in dieser Frage möchte sich die Union dem Solardeckel annehmen. Diese Benutzung der Abschaffung des 52-GW-Deckels sozusagen als Druckmittel im Bundestag ignoriert somit eindeutig den Willen der Wähler.

Und nicht nur das, es werden darüber hinaus auch gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten, welche sich der Bundestag mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) selbst gegeben hat. Denn gemäß § 49 Absatz 6 EEG 2017 ist die Bundesregierung verpflichtet rechtzeitig vor Erreichen des Endes der Solarförderung durch den Deckel eine Anschlussregelung vorzulegen. Mit dem Erreichen einer Gesamtleistung deutscher Photovoltaikanlagen von 52 Gigawatt wird laut Experten jedoch bereits im Frühsommer gerechnet. Deshalb wäre eigentlich die unverzügliche Behandlung des Themas in einem parlamentarischen Eilverfahren erforderlich. Das fordert jedenfalls auch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW).

Schon jetzt werden immer mehr Photovoltaik-Projekte aus Furcht vor einer ausbleibenden Förderung auf Eis gelegt. Bereits beim Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) am 30.01.2020 betonte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, dass die einzelnen erneuerbaren Energieformen – also in diesem Fall Solar- und Windenergie – nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften.

Auch der Hauptgeschäftsführer des BSW Carsten Körnig wiederholte jüngst diese Forderung, also etwa anderthalb Monate später, in denen immer noch nichts geschehen ist. Er mahnte: „Der Verhandlungspoker zu Lasten des Klimaschutzes und auf dem Rücken der Solarbranche muss endlich ein Ende haben. […] Schon eine Förderunterbrechung für wenige Wochen würde massiven Schaden in der Branche mit ihren rund 30.000 Beschäftigten anrichten. Erwartet wird für diesen Fall ein Umsatzeinbruch in Milliardenhöhe.

Quellen:
https://www.solarwirtschaft.de/2020/01/31/dieses-jahrzehnt-gehoert-den-erneuerbaren/
https://www.solarwirtschaft.de/2020/03/11/nach-windkraft-auch-photovoltaik-vor-markteinbruch/
https://www.solarwirtschaft.de/2020/03/12/der-bundesverband-solarwirtschaft-e-v-uebt-scharfe-kritik-an-der-erneuten-verschiebung-einer-entscheidung-zum-kuenftigen-ausbau-von-solardaechern-in-deutschland/